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Person macht eine achtsame Dehnübung am Fenster — symbolisch für den bewussten Umgang mit chronischen Schmerzen

Gesundheitsinformation

Chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen sind Schmerzen, die länger als drei Monate anhalten oder wiederkehren und oft keine eindeutige körperliche Ursache mehr haben.

Chronische Schmerzen gehören zu den häufigsten Gründen für Arztbesuche und Arbeitsunfähigkeit in Deutschland. Im Gegensatz zu akuten Schmerzen, die als Warnsignal des Körpers dienen, haben chronische Schmerzen oft ihre ursprüngliche Schutzfunktion verloren. Sie können sich verselbstständigen und zu einer eigenständigen Erkrankung werden – dem chronischen Schmerzsyndrom.

12–15 Mio.Menschen in Deutschland sind von chronischen Schmerzen betroffen.
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Typische Symptome

  • Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen über mehr als drei Monate
  • Schmerzen, die sich nicht mehr durch die ursprüngliche Verletzung erklären lassen
  • Überempfindlichkeit gegenüber Berührung oder Druck in bestimmten Körperregionen
  • Begleitende Schlafstörungen – Schmerzen stören das Ein- oder Durchschlafen
  • Chronische Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • Stimmungsveränderungen wie Niedergeschlagenheit, Angst oder Reizbarkeit
  • Einschränkungen im Alltag, Beruf und bei sozialen Aktivitäten
  • Rückzug von Hobbys und sozialen Kontakten
  • Schonhaltungen, die zu weiteren Beschwerden führen können
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Ursachen & Risikofaktoren

Am Anfang steht oft eine ursprüngliche Verletzung oder Operation, die nicht vollständig ausheilt, oder eine Erkrankung des Bewegungsapparates wie Arthrose, ein Bandscheibenvorfall oder Rheuma. Auch Nervenschädigungen und chronische Entzündungsprozesse im Körper können eine Rolle spielen. Mit der Zeit kann sich das Nervensystem selbst verändern: Bei der sogenannten zentralen Sensibilisierung wird es überempfindlich und meldet Schmerzen, auch wenn die ursprüngliche Ursache längst abgeklungen ist.

Daneben beeinflussen mehrere Faktoren, wie stark sich Schmerzen chronifizieren. Anhaltender Stress, Angst oder eine Depression verstärken die Schmerzwahrnehmung, ebenso ein ungünstiger Umgang mit dem Schmerz – etwa durch Vermeidungsverhalten. Auch eine genetische Veranlagung zur Schmerzverarbeitung und Schlafmangel, der die Schmerzschwelle senkt, spielen eine Rolle.

Schematische Darstellung häufiger Schmerzregionen bei chronischen Schmerzen: Nacken, Schultern, unterer Rücken und Gelenke
Chronische Schmerzen betreffen häufig mehrere Körperregionen gleichzeitig – nicht immer dort, wo die ursprüngliche Ursache liegt.
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Diagnose

In der ärztlichen Praxis stützt sich die Diagnose chronischer Schmerzen in der Regel auf mehrere Bausteine:

  • Ausführliche Schmerzanamnese: Beginn, Verlauf, Lokalisation und Qualität der Schmerzen
  • Körperliche und neurologische Untersuchung
  • Führen eines Schmerztagebuchs über mehrere Wochen
  • Standardisierte Schmerzfragebögen, zum Beispiel der Deutsche Schmerzfragebogen
  • Bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT oder CT, falls erforderlich
  • Laboruntersuchungen zum Ausschluss von Entzündungen oder anderen Erkrankungen
  • Psychologische Evaluation zur Erfassung von Begleitfaktoren
  • Beurteilung der Funktionsfähigkeit und Lebensqualität
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Behandlungsmöglichkeiten

Die multimodale Schmerztherapie – eine Kombination verschiedener Ansätze – gilt als Goldstandard:

  • Multimodale Schmerztherapie: interdisziplinäre Behandlung mit verschiedenen Fachrichtungen
  • Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel, Antidepressiva, Antikonvulsiva – je nach Schmerzart
  • Physiotherapie und Bewegungstherapie zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit
  • Psychologische Schmerztherapie und kognitive Verhaltenstherapie
  • Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung, Meditation, Biofeedback
  • Interventionelle Verfahren wie Nervenblockaden bei speziellen Indikationen
  • TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation)
  • Komplementäre Verfahren wie Akupunktur
  • Patientenedukation: Wissen über Schmerzmechanismen

Wichtig

Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?

  • Schmerzen, die trotz Behandlung zunehmen oder sich verändern
  • Begleitende neurologische Symptome wie Taubheit, Kribbeln oder Lähmungen
  • Ungewollter Gewichtsverlust zusammen mit Schmerzen
  • Fieber oder Nachtschweiß bei Schmerzerkrankungen
  • Zunehmende Einschränkungen der Beweglichkeit
  • Anzeichen einer Depression oder Suizidgedanken
  • Schmerzen, die den Schlaf massiv beeinträchtigen

Häufig gestellte Fragen

Wann gelten Schmerzen als chronisch?
Schmerzen gelten als chronisch, wenn sie länger als drei Monate anhalten oder regelmäßig wiederkehren. Entscheidend ist, dass sie über die normale Heilungszeit einer Verletzung hinausgehen und oft eine eigenständige Erkrankung darstellen.
Können chronische Schmerzen geheilt werden?
Eine vollständige Heilung ist nicht immer möglich, aber mit der richtigen Behandlung können die Schmerzen oft deutlich gelindert und die Lebensqualität erheblich verbessert werden. Ziel ist meist eine bessere Funktionsfähigkeit im Alltag.
Welche Rolle spielt die Psyche bei chronischen Schmerzen?
Psychische Faktoren wie Stress, Angst oder Depression können Schmerzen verstärken und ihre Chronifizierung begünstigen. Umgekehrt können chronische Schmerzen auch psychische Beschwerden auslösen. Daher ist ein ganzheitlicher Behandlungsansatz wichtig.

Wichtiger Hinweis: Diese Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei chronischen Schmerzen wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder eine spezialisierte Schmerzambulanz. Die Inhalte wurden sorgfältig recherchiert, erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.